Frage des Monats vom April 2012
? Mein Kind träumt vermehrt im Unterricht und die Lehrerin hat den Eindruck, dass es dadurch dem Unterricht nicht folgen kann.

Kann es sein, dass mein Kind, wenn es träumt, epileptische Anfälle hat?
PD Dr. med. Heike Philippi, Ärztliche Leiterin Epilepsieambulanz
SPZ Frankfurt Mitte Clementine Kinderhospital

Dr.med.Heike Philippi In den allermeisten Fällen liegen einem vermehrten Träumen in der Schule, keine epileptischen Anfälle zugrunde. Zunächst wäre zu prüfen, ob das Wegträumen, aus dem Fenster schauen und nicht aufmerksam dem Unterricht folgen nicht einfach Ausdruck von allgemeiner Schulunlust sein könnte.
Bei einer kleinen Zahl von Kindern ,ca. 6-8% , kann eine Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADHS) vorliegen, was bedeutet, das die Kinder die Information nicht so gut speichern und abrufen können. Vermehrtes Träumen in der Schule kann allerdings auch Ausdruck einer übersehenen Seh- oder Hörschwäche, einer Über- oder Unterforderung, einer Schlafstörung oder auch mal einer Schilddrüsenfehlfunktion sein.

Dies sollte über einen Besuch beim Kinderarzt abgeklärt werden. Nur in weniger als 1% sind tatsächlich epileptische Anfälle die Ursache für das Träumen. Wenngleich eine Epilepsie im Vergleich zu den anderen Erklärungen eher selten vorliegt, ist es wegen der Behandlungsmöglichkeit wichtig, das Vorliegen einer Epilepsie bei anhaltendem Tagträumen zu überprüfen. Der erste Hinweis daraus ergibt sich durch die Beobachtung, ob das Kind während des Träumens auf Ansprache reagiert. Im Falle einer epileptischen Bewusstseinspause , auch Absence genannt, dauert es eine ganze Weile bis das Kind scheinbar plötzlich wieder auf Ansprache reagiert.

Die Länge des epileptischen Anfalls richtet sich nämlich nicht nach Umweltreizen, sondern dauert so lange, wie sie dauert. Epileptische Absencen treten auch nicht nur beispielsweise im Mathematikunterricht auf, sondern auch in Unterrichtsfächern, für die sich das Kind interessiert. Weitere Hinweise für das Vorliegen von Absencen ist ein Abrutschen des Stiftes während eines längeren Aufsatzes, erkennbar an Strichen durch den Text. Während der 15-ca. 60-sekündigen Absence hält das Kind auf inne und führt seine vorherige Tätigkeit nicht weiter. Bei genauem Hinschauen kann man während der Absence oft ein Zittern des Lides, rhythmische Bewegungen der Augäpfel, ein Schmatzen oder kleine Zuckungen im Gesicht oder am Körper entdecken.

Die Abklärung, ob eine sog. Absenceepilepsie vorliegt oder nicht, erfolgt am besten über einen Kinderepileptologen, der nach einer ausführlichen Befragung, das Kind untersucht und ein EEG im Wachen ableitet. Kinderepileptologen arbeiten manchmal in niedergelassenen Praxen mit dem Schwerpunkt Neuropädiatrie und meistens an einer Epilepsieambulanz einer Kinderklinik. Der behandelnde Kinderarzt weiß um eine gute Adresse.

Im Internet können die Adressen der Epilepsieambulanzen in Ihrer Nähe über die Homepage der Deutschen Gesellschaft für Epileptologie eingesehen werden. Sollte sich die Diagnose bestätigen, kann das Träumen recht einfach mit einem Medikament gut behandelt werden. Wegen der guten Behandlungsmöglichkeit einer Absenceepilepsie, sollte bei fortgesetztem Tagträumen, trotz der seltenem Vorkommens, immer eine Abklärung wie oben genannt erfolgen.

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