Frage des Monats vom Februar 2014
? Frau Sch. aus Frankfurt/Main fragt: Mein Freund und ich sprechen gerade über das Thema Epilepsie, Verhütung, Schwangerschaft und Kinderwunsch. Was muss ich als Epilepsiepatientin darüber wissen?

Prof. Dr. Felix Rosenow Prof. Dr. Felix Rosenow,
Leiter Epilepsiezentrum Hessen, UKGM
und Philips-Universität Marburg

Da einige der Antiepileptika (AE) teratogen wirken, d.h, dass das Kind im Mutterleib geschädigt werden könnte, ist es besonders wichtig eine Schwangerschaft vorab zu planen. Dazu gehört auch ein fundiertes Wissen zur Verhütung bei der Einnahme von Antiepileptika. Mehrere Antiepleptika (sogenannte Induktoren) beschleunigen den Abbau der Antibabypille. Hierzu gehören: Carbamazepin, Oxcarbazepin, Eslicarbazepin, Phenytoin, Phenobarbital, Primidon und bei höheren Dosen auch Topiramat. Das bedeutet, dass die Pille nicht mehr zuverlässig ist. Daher sollte eine Pille mit höherem Gestagen und Östrogengehalt eingenommen werden und eine 2. Verhütungsmethode (z.B. Condom) verwendet werden.

Alternativ und sicher ist die Spirale. Umgekehrt beeinflusst auch die Pille die Konzentration von Lamotrigin. Der Lamotriginspiegel sinkt während der Einnahme der Pille und steigt in der Hormonpause wieder an. Im Blick auf Schwangerschaft und Kinderwunsch ist zu beachten: Die Anfallsfrequenz bleibt in etwa der Hälfte der Patientinnen in der Schwangerschaft stabil, bei je einem Viertel wird sie besser oder schlechter. Lamotrigin fällt in der Schwangerschaft häufig ab, was zu Anfällen führen kann. Daher müssen die Spiegel ab bekanntwerden der Schwangerschaft regelmäßig in 1-2wöchigen Abständen bestimmt werden.

Teratogenität: Nach der immer besseren Datenlage aus den verschieden Schwangerschaftsregistern, vor allem auch aus EURAP, kann zusammenfassend festgestellt werden: Das ungünstigste Medikament ist Valproat. Bei Einnahme von >=1500mg/Tag treten bei über 20% der Kinder schwere Missbildungen auf. Auch die Intelligenz der Kinder ist erniedrigt. Diese beiden Effekte sind klar dosisabhängig. Wenn auf Valproat nicht verzichtet werden kann, so ist die kleinst mögliche Dosis zu nehmen. Folsäure (3-5mg/Tag) sollte ebenfalls eingenommen werden. Am günstigsten sind Lamotrigin, Carbamazepin und, so scheint es nun, auch Levetiracetam. Die beobachteten Missbildungsraten unter diesen Medikamenten liegen zwischen 1 und 5% und sind anscheinend auch von der Dosis abhängig. Günstig ist die Einnahmen von <300mg Lamotrigin, <  600mg Carbamazepin oder <=1500mg Levetiracetam (wobei für diese Substanz der Dosisbezug noch nicht ganz klar ist).

Die Nichteinnahme der Medikamente ist natürlich auch gefährlich für das Kind, da gerade in der Spätschwangerschaft das Auftreten, insbesondere von großen (generalisiert tonisch-klonischen) Anfällen, eine Kindesgefährdung darstellt. Bei Planung einer Schwangerschaft sollte ein Epilepsieexperte eingebunden werden, der die aktuellsten Daten kennt, und zwar möglichst vor Eintritt der Schwangerschaft! Bei hochaktiver Epilepsien empfiehlt sich die Entbindung in einem Mutter-Kind-Zentrum mit Epilepsiezentrum im selben Klinikum – insbesondere wenn, wie z.B. in Marburg, eine enge Zusammenarbeit von Epileptologie, Kinderheilkunde und Geburtshilfe besteht.

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