Frage des Monats vom Februar 2013
? Nach einem ersten epileptischen Anfall entstehen viele Unsicherheiten und Fragen. Die häufigste Frage ist die des Wiederholungsrisikos. Wie häufig kommt es zu weiteren Anfällen nach einem ersten epileptischen Anfall?

Dr. med. S. v. Stuckrad-Barre Dr. med. S. v. Stuckrad-Barre Deutsche Klinik für Diagnostik Wiesbaden

Nach einem ersten Anfallsereignis besteht unabhängig vom Alter des Patienten und der Anfallsursache ein Wiederholungsrisiko von etwa 30%. Eine genaue diagnostische Einordnung durch einen Neurologen ist aber unbedingt erforderlich, da sich häufig herausstellt, dass es weitere Anfälle davor schon gegeben hat, die nur nicht erkannt oder richtig benannt worden sind.

Kommt es zu einem zweiten Anfall im Verlauf, erhöht sich das Wiederholungsrisiko auf ca. 70%. Die neurologische Untersuchung und Diagnostik mittels EEG und Kernspintomographie vom Gehirn zielt genau darauf ab, dieses Wiederholungsrisiko einzuschätzen. Nur durch genaue Ursachensuche nach dem Grund für die epileptischen Anfälle, kann auch eine Therapie gefunden werden, die die Sicherheit und Lebensqualität des Betroffenen gewährleistet. Sobald der Arzt das Wiederholungsrisiko für Anfälle einschätzen kann, sollte dann über eine Therapie mit Antiepileptika gesprochen werden.

Üblicherweise besteht nach einem 2. Anfallsereignis eine Indikation für eine medikamentöse Behandlung. Wenn sich im EEG oder Kernspintomogramm Auffälligkeiten zeigen, kann und sollte man auch nach einem ersten Anfall direkt mit der Therapie beginnen. Andere Themen wie regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus, Vermeidung von Schlafentzug und übermäßigem Alkoholgenuss müssen im Verlauf mit dem Patienten besprochen werden. Für die wichtigen Alltagsfragen ist dann eine ausführliche Beratung bezgl. Arbeitsplatz, Ausbildung, Fahrtauglichkeit, soziale Hilfen etc. in einer Epilepsie-Beratungsstelle essentiell.   Wenn all diese genannten Punkte beachtet werden, sind die meisten Epilepsien gut behandelbar.

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