Frage des Monats vom Dezember 2013
? Herr Michael S. fragt: Gibt es für Menschen mit Epilepsie, die auch eine Aura erleben, eine Möglichkeit den bevorstehenden Anfall durch gezieltes Handeln zu vermeiden?
Juliane Schulz Bernhard Brunst
Epilepsie-Fachberater
Sprecher NEA Hessen


Für Betroffene, die eine Aura erleben, ist die Selbstkontrolle bei epileptischen Anfällen eine Option. Es handelt sich hier um eine Methode der Selbstbehandlung, die bereits von vielen Menschen mit Epilepsien erfolgreich angewandt wird. Ebenso erfolgreich scheinen Biofeedback- Verfahren zu sein. Diese Selbstkontrollmethoden wurden wissenschaftlich untersucht, therapeutisch systematisiert und werden heute als ergänzende Behandlung zur antiepileptischen Medikation verstanden. Die Wirksamkeit der verschiedenen Verfahren konnte in vielen Studien bestätigt werden. In den großen Metaanalysen allerdings wurden aufgrund der meist fehlenden Randomisierung immer nur ein Bruchteil der Studien integriert und dem- entsprechend wenige Verfahren als erfolgversprechend und wirksam anerkannt. Dieses Schicksal teilen die psychologischen bzw psychotherapeutischen Ansätze zur Epilepsiebehandlung jedoch mit vielen therapeutischen Maßnahmen bei anderen Krankheitsbildern.

Der eigene Experte sein


"Das Finden eines Gegenmittels kann ein langwieriger und schwieriger Prozess sein, der, wie das Identifizieren der Auslöser, eine genaue "Selbstbeobachtung" erfordert. Diese Selbstbeobachtung sollte deshalb, wenn möglich, unter Anleitung stattfinden. Oft verfügen Epilepsiekranke aber schon über Erfahrungen mit ihren Auslösern oder sogar mit einer Anfallsabwehr ( zum Teil, ohne sich dessen bewusst zu sein). Dieses Expertenwissen im Umgang mit der eigenen Krankheit wird im Rahmen der medikamentösen Therapie bislang weitgehend vernachlässigt. Dieser Erfahrungsschatz kann und soll mittels der Selbstkontrolle für die Behandlung verfügbar gemacht werden. Menschen mit Epilepsien sollen bei ihren Versuchen unterstützt werden, sich selbst zu helfen, um nicht allein auf medikamentöse Hilfe vertrauen zu müssen. Der Behandlungsansatz der Selbstkontrolle fordert und fördert eine aktive Auseinandersetzung mit den körperlichen und psychischen Hintergründen der Krankheit. Dieser Prozess steht im Mittelpunkt. Die Bereitschaft, sich dieser Auseinandersetzung zu stellen, ist deshalb die einzige unverzichtbare Voraussetzung" (DE e.V. Berlin).
Eine interessante Arbeit zu diesem Thema hat dieses Jahr der Berliner Psychologe Gerd Heinen in seiner Doktorarbeit (Europa-Universität Viadrina) vorgelegt (s. Spiegel Nr. 21 vom 18.5.2013).

Weitere Informationen:
Deutsche Epilepsievereinigung e.V.
www.epilepsie-vereinigung.de

Informationszentrum Epilepsie der Deutschen Gesellschaft für Epileptologie e.V.
www.izepilepsie.de

Heinen G. und Schmidt-Schönbein C. "Selbstkontrolle epileptischer Anfälle"

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