Frage des Monats vom Januar 2012
? Die Selbsthilfe hat im umfassenden Behandlungsansatz der Menschen mit Epilepsien einen hohen Stellenwert. Epilepsie ist mehr als ein medizinisches Problem. Die Erkrankung kann auch gravierende psychosoziale Schwierigkeiten im täglichen Leben bereiten.

Was kann eine Selbsthilfegruppe dazu beitragen, diese Alltagsprobleme zu reduzieren?

Wolfgang Walther, Vorsitzender der Deutschen Epilepsievereinigung, Landesverband Hessen

Wolfgang Walther Unter einer Selbsthilfegruppe versteht man den freiwilligen Zusammenschluss von Menschen, deren Aktivitäten auf der gemeinsamen Bewältigung von Krankheiten, Behinderungen und psychosozialen Problemen beruhen, von denen sie entweder selbst oder als Angehöriger betroffen sind.
In der Selbsthilfegruppe informieren sich die TeilnehmerInnen durch diesen Erfahrungsaustausch über ihre Epilepsie und geben sich dabei gegenseitig neue Blickwinkel für den Umgang mit ihrer Erkrankung. Bei unserer telefonischen Erstberatung oder den Ratsuchenden an unseren Info-Ständen, stellt sich häufig heraus, dass sie noch nicht an einen Epileptologen überwiesen wurden, obwohl sie nicht anfallsfrei sind.

Dies ist ein Defizit, das die Lebensqualität der Betroffenen und ihrer Angehörigen sehr belasten kann. Wir von der Selbsthilfe sind von daher immer bemüht, den Ratsuchenden zu informieren, an wen er sich bei welchem Problem wenden kann. Hilfreich ist hierzu auch die Homepage der Deutschen Epilepsievereinigung und des Landesverbandes Hessen. Nur diejenigen, die den Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe suchen und sich in ihrer individuellen Situation offen darstellen, haben die Möglichkeit persönliche Tipps in ihrer Alltagsbewältigung zu bekommen.

Da die Epilepsie zu den Langzeiterkrankungen zählt und sehr individuelle Verlaufsformen hat, ist die Krankheitsbewältigung auch immer eine sehr persönliche Angelegenheit, die zwar längere Zeit beansprucht, jedoch aber in einer Gruppe angemessen und mehrmals ausführlich besprochen werden kann. Diese Gruppengespräche bieten den Betroffenen eine intensive Auseinandersetzung mit sich selbst und ermöglichen wechselseitiges Lernen. "Selbsthilfe hilft weiter" - in diesem Sinne empfehle ich die Mitarbeit in der Selbsthilfe der Deutschen Epilepsievereinigung e.V.

Epilepsieberater Bernhard Brunst
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Bernhard Bruinst Die Selbsthilfe ist für mich als Berater ein elementarer Bestandteil in der umfassenden Behandlung der Menschen mit Epilepsien. Gerne kooperiere ich mit den Selbsthilfegruppen der Deutschen Epilepsievereinigung e.V., die es mir ermöglichen, von ihrem Erfahrungswissen und den Lebensbiographien der Betroffenen und ihrer Familien zu lernen.
Selbsthilfegruppen dienen dem Erfahrungsaustausch und helfen Problemlösungs-strategien auf ganz konkreter Ebene zu vermitteln. Gerade in den Selbsthilfegruppen zeigt sich, dass die eigentlichen Experten für ein Problem die Betroffenen selbst sind. Sie kennen nicht nur die schwierigen Lebenssituationen aus eigener Erfahrung, sie sind darüber hinaus in der Regel bestens vertraut im Umgang mit den differenzierten Möglichkeiten der Problemlösung, weil sie sich oft über Jahre hinweg mit schwierigen Situationen im Alltag auseinandersetzen mussten.

Durch die gemeinsamen, vertraulichen Gruppengespräche können die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Fähigkeiten und Aktivitäten entwickeln, die ihnen den oft beschwerlichen Alltag erleichtern. Selbst etwas tun, Erfahrungsexperte in eigener Sache werden, sind geeignete Ziele für die Arbeit in der Gruppe.

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